#DigitaleBildung als Buzzword?

Es folgt eine (hoffentlich) kurze Erkenntnis und Meinung:

Wenn ich eines durch Lesen und Mithören in den letzten Wochen erfahren habe, dann doch dass die Spannbreite des Verständnisses, was denn nun digitale Bildung (oder ein andres beliebiges Schlagwort in dem Bereich) ist und sein soll, riesig ist. Bin ich ein digital unterrichtender Lehrer, wenn ich in der Klasse Kahoot! spielen lasse? Oder bin ich es erst dann, wenn ich in jeder Stunde mit den verschiedensten digitalen Tools beständig die oft beschworenen 4 K’s schule? Oder liegt die endgültige Eingliederung, ab wann ich das von mir behaupten kann, irgendwo dazwischen?

Mir persönlich, obwohl ich mich viel mit der Thematik beschäftige und viele Dinge im Bereich der digitalen Wissensvermittlung ausprobiere (und zum Glück auch ausprobieren kann), fällt diese Einschätzung sehr schwer.

Daher bin ich dazu übergegangen, sie zu umgehen. Ich frage mich nicht mehr, ob ich hier und davon was digitales in meinen Unterricht mit einbauen kann, ich überlege vielmehr, wie ich es schaffe, Schüler für meine Art der Wissensvermittlung (ja, ich weiß , blödes Wort in dem Kontext) zu begeistern und ihnen ein erfolgreiches Lernen zu ermöglichen. Denn darum geht es ja in der Schule, oder? Den Schülern das Lernen zu ermöglichen, damit sie gut vorbereitet in ihre berufliche Zukunft starten und aktiv ihr Leben gestalten können. Nicht? Dann begehe ich massive Fehler…

Natürlich ist viel, was sich in meinen Klassen abspielt, digital geprägt und ohne mobile Endgeräte teilweise gar nicht mehr möglich (Datenaustausch, Arbeitsblätter, Videos, Skripte, …). Betreibe ich deshalb digitale Bildung? Ich weiß es nicht…

Ist es nicht auch irrelevant, sich das zu fragen? Verkommt nicht eben genau deshalb digitale Bildung zu einem Buzzword, weil es keine einheitliche Begriffsdefinition gibt? Sollten wir nicht statt immer den Weg vom Analogen zum Digitalen zu fordern, eher den Weg von der reinen Stoffvermittlung hin zu schülerzentrierten Problemstellungen und -Lösungen gehen?

in meinen Augen bringt uns das als Lehrer automatisch einen Schritt weiter in Richtung eines zukunftsfähigen Unterricht. Pädagogik (und die Zukunft unserer Schüler) vor allem Rest 😊

 

Dafür? Dagegen? Warum nicht MIT?

Bei uns in der Schule ging jetzt ein Beitrag rum, in dem Gerald Lembke, Professor für digitale Medien, zu der Benutzung von Smartphones und Tablets im Unterricht interviewt wurde (anbei der Link: Beitrag SWR1). Einige Punkte sind hier in meinen Augen sehr kritisch und einseitig formuliert, weshalb ich nicht umhin gekommen bin, meinen Senf dazu zu geben:
1) Lembke spricht hauptsächlich über die Verwendung von digitalen Medien in Grundschulen. Da findet er sie nicht wirksam und unnötig und ich gebe ihm zu 100% Recht, da haben sie nix verloren. (Korrektur: nach einem langen und intensivem Austausch über Twitter revidiere ich meine Meinung hierzu, es kann Sinn machen) Grundschüler sind nun nicht die Zielgruppe, die ich unterrichte, sondern Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren. Im Beitrag wird diese Gruppe nur kurz erwähnt. Verweisen möchte ich hier gerne auch auf die 3-6-9-12 Faustregel von Philippe Wampfler (@phwampfler): https://schulesocialmedia.com/2017/02/08/kinder-medien-und-die-3-6-9-12-faustegel/
2) Ein weiterer komischer Punkt, der angesprochenen wird, ist das „Suchtverhalten“, das im Beitrag erwähnt wird. Hierbei sind laut Lembke aber die „Erwachsenen“ gemeint, die ja auch nicht unsere Zielgruppe ist. Unser Klientel verwendet sein Smartphone (und das Tablet) auch sehr häufig, keine Frage. Hier ist es vielleicht unsere Aufgabe und Herausforderung, diesen Konsum in geordnete produktive Bahne zu lenken. Ich denke, das können wir und sollten es auch können.
3) Der Punkt, der mir in seiner Argumentation am meisten aufstößt. Lembke positioniert sich als klarer Gegner der Verwendung von digitalen Medien in jedweder Form von Unterricht (ähnlich wie Manfred Spitzer, aber lassen wir das mal). Es kann doch aber in unserer Welt (die nun mal mehr und mehr digitalisiert ist bzw. wird) nicht mehr um das FÜR oder WIDER gehen, sondern sollte doch vielmehr das WIE ins Auge fassen. Wir bereiten unsere SuS ja auf das Berufsleben vor (als letzte Instanz davor). Relevante Kernkompetenzen wie beispielsweise kritisches Denken, Kollaborationsfähigkeit, Kreativität oder Kommunikationsfähigkeit brauchen sie dazu immer mehr (vgl. den Beitrag von Tobias Rodemerk (@integrate2learn: http://integrate2learn.de/2017/02/11/21st/)
Mit digitalen Medien als ERGÄNZUNG (und das wird auch immer gerne unter den Tisch fallen gelassen) zu gutem Unterricht (was auch im Beitrag betont wird: „Es kommt auf den Lehrer an“) kann man diese nun wunderbar schulen.
In diesem Sinne,…

Experience so far

Generell

Seit knapp 1 1/2 Jahren nimmt meine Schule an einem Schulversuch zum Einsatz von Tablets im Unterricht teil. Konkret bedeutet das: Wir bekommen die Geräte und die Infrastruktur gestellt und sollen herausfinden, wie wir das Tablet sinnvoll in den Unterricht integrieren können und damit den Unterricht eventuell sogar verbessern können. Wie dieses „sinnvoll“ dabei aussieht, darf und durfte jeder für sich selbst herausfinden. So entstanden in meinen Augen unterschiedliche Gruppen oder Parametern, die an unserer Schule sind, unterschiedliche Entwicklungen, die ich kurz versuche darzustellen.

 

Schüler

Generell waren die Schüler zu Beginn natürlich total begeistert, mit dem Tablet zu „arbeiten“. Arbeiten bedeutet in diesem Sinne, sich als erstes Clash of Clans herunterzuladen und währen des Unterrichts zu spielen, super 🙂 Insgesamt kann man sagen, dass wir das erste Jahr damit zugebracht haben, den Schülern beizubringen, dass man das Tablet nicht nur für YouTube, Facebook, Snapchat etc. benutzen kann, sondern dass sich damit auch prima arbeiten lässt (sofern man sich darauf einlässt und nicht nach zwei Monaten wieder Stift und Papier zurückwill und -fordert).

 

Lehrer

Als Lehrerkollegium haben wir die wohl klassischen Schritte unternommen: hohe Anfangseuphorie, streckenweise Ernüchterung und dann Herauskristallisierung der einzelnen Gruppen (ich nenne sie mal „Vollstrecker“, „Mitgeher“ und „Bremser“).

 

Meine Entwicklung

Meine eigene Entwicklung lässt sich kurz beschreiben als der Weg vom Mitgeher zum Vollstrecker (mit einem kurzen Ausflug ins Bremsertum).  Ich ging mit keinerlei Vorbildung im Bereich der Informatik und mit wenig Meinung ins das Projekt hinein und war so dementsprechend frustriert, als sich nach einigen Wochen nicht die erhoffte „digitale Magie“ eingestellt hat, obwohl ich doch das Tablet verwendet habe und sogar viele Apps im Fremdsprachenbereich. Im Nachhinein darf ich über mich selbst sagen: Idiot! Einschneidend war für mich die Erfahrung und Erkenntnis: It´s not about the app! Nachdem ich das begriffen hatte, konnte ich mich erst richtig für das Projekt und den digitalen Unterricht, die digitale Bildung begeistern. Dabei half mir, dass ich in meinem Bereich auch einfach gelassen wurde und ich keine große und langsame Fachschaft koordinieren musste, sondern einfach ausprobieren konnte. Inzwischen bin ich also ein großer Verfechter von digitaler Bildung, weil ich sie für unsere Schülerschaft (Technisches Gymnasium) genau passend halte.

And here we go…

Uff, tatsächlich getan, ich habe meine ersten Blog erstellt und kann es kaum erwarten, hier meine Ideen zu präsentieren oder zu diskutieren, was für eine abenteuerliche Reise 🙂

Get started

Mehr oder weniger in den letzten Zügen vor Veröffentlichung, muss mich nur noch haftbar machen 🙂