Workshop Erlebnis auf den #tabletdays

Ja, die Tabletdays in Rorschach waren geil, inspirierend und sehr motivierend für die kommenden Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre. Ja, es gab sehr gute und tolle Keynotes. Ja, der fachliche und persönliche Austausch war atemberaubend. Ja, und das alles steht schon sehr gut zusammengefasst von @woe_Real auf BayernEDU: http://bit.ly/2sjJa4t

Dennoch möchte ich in wenigen Worten einen Workshop beschreiben, der mich, auch wenn (oder gerade weil) er nicht zwingend auf die Verwendung von digitalen Medien angewiesen ist. Der Workshop von Marcel Kaufmann zum BreakoutEDU. Ich versuche, diesen Workshop zu skizzieren. Man möge mich korrigieren, wenn ich Zusammenhänge nicht richtig darstelle, ich beschreibe meine Herleitung.

Ausgangspunkt ist der sogenannte Escape- oder Breakout-Room, bei dem es darum geht, mithilfe des Lesens von Rätseln so schnell wie möglich aus einem verschlossenen Raum heraus zu gelangen. Dieses Prinzip wird nun dahingehend umgedreht, dass man die Rätsel lösen muss, um einen Koffer mit einer Belohnung (in unserem Fall waren es Süßis) in einer bestimmten Zeit zu öffnen. So waren an dem Koffer verschiedenartige Schlösser angebracht, an denen man eine Zahlen- oder Buchstabenkombination erraten musste oder eben durch die Lösung eines Rätsel erhielt. Man konnte insgesamt auch zwei „Hints“, also Ratschläge, bekommen, die zunächst aber für alle vollkommen außer Frage standen. Die Rätsel bestanden stellenweise aus Text, aus dem ein gewissen Lösungswort rauszulesen war, aus ägyptischen Hieroglyphen oder aus QR-Codes (oder waren es Links? Weiß ich nicht mehr). Das Knifflige daran war, dass man bei den Rätseln sehr um die Ecke denken musste (was sich für uns Workshopteilnehmer als relativ schwierig herausstellte) und man, selbst wenn man des Rätsels Lösung kannte, nie genau wusste, welches Schloss mit welcher Lösung zu knacken war. Aber es hat Spaß gemacht.

Ich stelle mir BreakoutEDU sehr gut bei Klassenfindungsprozessen vor, vor allem zum Kennenlernen der einzelnen Charaktere innerhalb einer Klasse. So zeigte sich auch bei uns schnell, wer z.B. die Führung übernahm oder wer lieber zuarbeitete. Alles in allem eine sehr spannende Erfahrung.

Erfahrungsbericht Studienfahrt

Dieses Jahr durfte (oder musste) ich zum ersten Mal unsere Studienfahrt organisieren. Genauer gesagt eine unserer Studienfahrten, nach Almería, Andalusien, Südspanien. Warum dorthin? Warum dieser weite Weg? Nun, wir sind ein Technisches Gymnasium mit dem Profil Umwelttechnik und die Studienfahrt nach Almería bietet (auch in meinen Augen) eine optimale Verbindung von Bezug zum Profilfach, kulturellen Einflüssen und tollen Erlebnissen für die Schüler.

Neben den fachlichen und kulturellen Programmpunkten hatte ich mir vor allem auf die Fahne geschrieben, einen kleinen Beitrag zur Förderung von #digitalerBildung oder #zeitgemäßerBildung gemeinsam mit den Schülern zu leisten. Genauer gesagt war der Plan, eine Schülergruppe einen Blog über die Reise verfassen zu lassen, der von den restlichen Schülern mit theoretischen Informationen über die einzelnen Programmpunkte sowie einem V-Log einer anderen Gruppe gefüttert wird (den Link zum Reise-Blog findet ihr hier: Reise-Blog Almería). Im Folgenden möchte ich mich in meinem Erfahrungsbericht gerne auf die Erlebnisse mit dem Blog (und seinen Zutaten)  beschränken, da es sonst wahrscheinlich ausufern würde 🙂

Bereits vor Abflug begann also unsere gemeinsame Organisation und Arbeit an dem Blog. Arbeitsverteilung (wie wird der Blog von allen getragen? Wer macht welchen Teil der Arbeit?) und Bereitstellung der Zutaten (Wie kommen die fachlichen Infos zur Gruppe?) waren hierbei die Hauptpunkte. Schnell zeigte sich hier zweierlei:

  • das große Engagement der Schüler beim Erstellen des Blogs
  • die Problematik des Urheberrechts, genauer gesagt die Unkenntnis darüber, wie man welche Bilder verwenden darf und welche nicht

Im Endeffekt haben wir uns darauf geeinigt, nur selbstgeschossene Bilder zu verwenden und mich als Eigentümer des Blogs zu benennen (auch ein Problem: einige Schüler sind noch unter 18).  Generell kann ich sagen, dass die Arbeit an dem Blog vor und während der Studienfahrt super geklappt hat (was größtenteils dem riesigen Engagement und der tollen Arbeit der Schüler geschuldet ist). Was leider nicht funktioniert hat war die Einbettung eines V-Logs in den Blog. Hauptursache hierfür war jedoch nicht die Planung und Arbeit der Schüler, sondern vielmehr technische Probleme, die wir im Laufe der Studienfahrt nicht in den Griff bekommen haben. So müssen wir wieder eine zentrale Vorführung des Films daheim organisieren, was für mich einen kleinen Wermutstropfen darstellt. Kommendes Jahr wird es dennoch einen neuen Versuch geben, hoffentlich sogar mit noch mehr Einbezug der Schüler in die Planungsphase.

Generelles Schlussfazit: Es wird dir von den Schülern sehr gedankt, wenn du dich um Neuerungen bemühst und auch vieles verziehen, solange das Engagement und die Zusammenarbeit stimmt.

 

Engagement auf Knopfdruck?

Eines vorneweg: Ich halte Leistung, Hingabe und Engagement im Lehrberuf für wahnsinnig wichtig und es gibt in meinen Augen wenig Schlimmeres als einen Lehrer, der „Dienst nach Vorschrift“ macht und nur „seinen Stiefel runter unterrichtet“. Deshalb engagiere ich mich, ich liefere Leistung ab und betrachte mich in einigen Bereichen als einer der treibenden und führenden Kräfte an der Schule. So weit so gut, nicht?

Mein großes Problem fängt jedoch genau hier an. Ich tue mir schwer damit, mein Engagement in die „richtigen“ schulischen Prozesse zu kanalisieren bzw. nehme ich es verstärkt wahr, dass mein Engagement und meine Leistungsbereitschaft nur in einem bestimmten, abgesteckten Rahmen erwünscht sind .“Super, der Kollege hat soundsovielte Überstunden, er ist immer da und ansprechbar“. Das ist bewundernswert. So bin ich nur nicht. Ich habe eine Familie, die ich über alles liebe und für dich ich da sein will (und auch muss, da meine Frau auch berufstätig ist). Daher bin ich nicht von 7h-19h in der Schule und arbeite dort, sondern unterrichte meine Stunden und gehe danach heim, weil ich da gebraucht werde. Für mich geht es dann abends oder in den Ferien verstärkt an den Schreibtisch und ich bekomme selten mehr als 5 Stunden Schlaf die Nacht. Das ist meiner Meinung nach auch ein wahnsinnig großes Plus des Lehrerdaseins, sich seine Zeit halbwegs frei einteilen zu können. In Zeiten einer (auch an meiner Schule) zunehmenden Digitalisierung ist es in meinen Augen auch nicht mehr nötig, ständig an der Schule zu sein und dort ansprechbar zu wirken.

So arbeite ich also nun daheim, entwerfe Stunden, Konzepte und Lernvideos, werfe meine kompletten Unterrichtssettings über den Haufen und überlege neu, kommuniziere und diskutiere in verschiedenen sozialen Netzen, schlafe wenig und bilde mich neben dem intensiven Austausch bei Tagungen, Kongressen und Weiterbildungen fort, versuche mich zu vernetzen. Alles das, um meinen Schülern einen zeitgemäßen und attraktiven Unterricht gewährleisten zu können, was sie mir aktuell mit viel Einsatzbereitschaft und einem tollen Klassen- und Lernklima zurückzahlen. Um die Kurve zu meinem Problem (Engagement) wieder zu bekommen: Das sieht halt in der Schule niemand und ich bekommen den „Hinweis“ einer zu verbessernden Verfügbarkeit (definiere nach Wunsch). Und so stehe ich da, ratlos und zunehmend verzweifelt. Ist also Engagement im schulischen Kontext gleichzusetzen mit Anwesenheit? Ist das wirklich alles? Sei da, unterrichte und setze dich danach an deinen Schreibtisch, damit du bloß da bist und engagiert wirkst? Nicht im Ernst, oder..?

 

 

#DigitaleBildung als Buzzword?

Es folgt eine (hoffentlich) kurze Erkenntnis und Meinung:

Wenn ich eines durch Lesen und Mithören in den letzten Wochen erfahren habe, dann doch dass die Spannbreite des Verständnisses, was denn nun digitale Bildung (oder ein andres beliebiges Schlagwort in dem Bereich) ist und sein soll, riesig ist. Bin ich ein digital unterrichtender Lehrer, wenn ich in der Klasse Kahoot! spielen lasse? Oder bin ich es erst dann, wenn ich in jeder Stunde mit den verschiedensten digitalen Tools beständig die oft beschworenen 4 K’s schule? Oder liegt die endgültige Eingliederung, ab wann ich das von mir behaupten kann, irgendwo dazwischen?

Mir persönlich, obwohl ich mich viel mit der Thematik beschäftige und viele Dinge im Bereich der digitalen Wissensvermittlung ausprobiere (und zum Glück auch ausprobieren kann), fällt diese Einschätzung sehr schwer.

Daher bin ich dazu übergegangen, sie zu umgehen. Ich frage mich nicht mehr, ob ich hier und davon was digitales in meinen Unterricht mit einbauen kann, ich überlege vielmehr, wie ich es schaffe, Schüler für meine Art der Wissensvermittlung (ja, ich weiß , blödes Wort in dem Kontext) zu begeistern und ihnen ein erfolgreiches Lernen zu ermöglichen. Denn darum geht es ja in der Schule, oder? Den Schülern das Lernen zu ermöglichen, damit sie gut vorbereitet in ihre berufliche Zukunft starten und aktiv ihr Leben gestalten können. Nicht? Dann begehe ich massive Fehler…

Natürlich ist viel, was sich in meinen Klassen abspielt, digital geprägt und ohne mobile Endgeräte teilweise gar nicht mehr möglich (Datenaustausch, Arbeitsblätter, Videos, Skripte, …). Betreibe ich deshalb digitale Bildung? Ich weiß es nicht…

Ist es nicht auch irrelevant, sich das zu fragen? Verkommt nicht eben genau deshalb digitale Bildung zu einem Buzzword, weil es keine einheitliche Begriffsdefinition gibt? Sollten wir nicht statt immer den Weg vom Analogen zum Digitalen zu fordern, eher den Weg von der reinen Stoffvermittlung hin zu schülerzentrierten Problemstellungen und -Lösungen gehen?

in meinen Augen bringt uns das als Lehrer automatisch einen Schritt weiter in Richtung eines zukunftsfähigen Unterricht. Pädagogik (und die Zukunft unserer Schüler) vor allem Rest 😊

 

Dafür? Dagegen? Warum nicht MIT?

Bei uns in der Schule ging jetzt ein Beitrag rum, in dem Gerald Lembke, Professor für digitale Medien, zu der Benutzung von Smartphones und Tablets im Unterricht interviewt wurde (anbei der Link: Beitrag SWR1). Einige Punkte sind hier in meinen Augen sehr kritisch und einseitig formuliert, weshalb ich nicht umhin gekommen bin, meinen Senf dazu zu geben:
1) Lembke spricht hauptsächlich über die Verwendung von digitalen Medien in Grundschulen. Da findet er sie nicht wirksam und unnötig und ich gebe ihm zu 100% Recht, da haben sie nix verloren. (Korrektur: nach einem langen und intensivem Austausch über Twitter revidiere ich meine Meinung hierzu, es kann Sinn machen) Grundschüler sind nun nicht die Zielgruppe, die ich unterrichte, sondern Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren. Im Beitrag wird diese Gruppe nur kurz erwähnt. Verweisen möchte ich hier gerne auch auf die 3-6-9-12 Faustregel von Philippe Wampfler (@phwampfler): https://schulesocialmedia.com/2017/02/08/kinder-medien-und-die-3-6-9-12-faustegel/
2) Ein weiterer komischer Punkt, der angesprochenen wird, ist das „Suchtverhalten“, das im Beitrag erwähnt wird. Hierbei sind laut Lembke aber die „Erwachsenen“ gemeint, die ja auch nicht unsere Zielgruppe ist. Unser Klientel verwendet sein Smartphone (und das Tablet) auch sehr häufig, keine Frage. Hier ist es vielleicht unsere Aufgabe und Herausforderung, diesen Konsum in geordnete produktive Bahne zu lenken. Ich denke, das können wir und sollten es auch können.
3) Der Punkt, der mir in seiner Argumentation am meisten aufstößt. Lembke positioniert sich als klarer Gegner der Verwendung von digitalen Medien in jedweder Form von Unterricht (ähnlich wie Manfred Spitzer, aber lassen wir das mal). Es kann doch aber in unserer Welt (die nun mal mehr und mehr digitalisiert ist bzw. wird) nicht mehr um das FÜR oder WIDER gehen, sondern sollte doch vielmehr das WIE ins Auge fassen. Wir bereiten unsere SuS ja auf das Berufsleben vor (als letzte Instanz davor). Relevante Kernkompetenzen wie beispielsweise kritisches Denken, Kollaborationsfähigkeit, Kreativität oder Kommunikationsfähigkeit brauchen sie dazu immer mehr (vgl. den Beitrag von Tobias Rodemerk (@integrate2learn: http://integrate2learn.de/2017/02/11/21st/)
Mit digitalen Medien als ERGÄNZUNG (und das wird auch immer gerne unter den Tisch fallen gelassen) zu gutem Unterricht (was auch im Beitrag betont wird: „Es kommt auf den Lehrer an“) kann man diese nun wunderbar schulen.
In diesem Sinne,…

Experience so far

Generell

Seit knapp 1 1/2 Jahren nimmt meine Schule an einem Schulversuch zum Einsatz von Tablets im Unterricht teil. Konkret bedeutet das: Wir bekommen die Geräte und die Infrastruktur gestellt und sollen herausfinden, wie wir das Tablet sinnvoll in den Unterricht integrieren können und damit den Unterricht eventuell sogar verbessern können. Wie dieses „sinnvoll“ dabei aussieht, darf und durfte jeder für sich selbst herausfinden. So entstanden in meinen Augen unterschiedliche Gruppen oder Parametern, die an unserer Schule sind, unterschiedliche Entwicklungen, die ich kurz versuche darzustellen.

 

Schüler

Generell waren die Schüler zu Beginn natürlich total begeistert, mit dem Tablet zu „arbeiten“. Arbeiten bedeutet in diesem Sinne, sich als erstes Clash of Clans herunterzuladen und währen des Unterrichts zu spielen, super 🙂 Insgesamt kann man sagen, dass wir das erste Jahr damit zugebracht haben, den Schülern beizubringen, dass man das Tablet nicht nur für YouTube, Facebook, Snapchat etc. benutzen kann, sondern dass sich damit auch prima arbeiten lässt (sofern man sich darauf einlässt und nicht nach zwei Monaten wieder Stift und Papier zurückwill und -fordert).

 

Lehrer

Als Lehrerkollegium haben wir die wohl klassischen Schritte unternommen: hohe Anfangseuphorie, streckenweise Ernüchterung und dann Herauskristallisierung der einzelnen Gruppen (ich nenne sie mal „Vollstrecker“, „Mitgeher“ und „Bremser“).

 

Meine Entwicklung

Meine eigene Entwicklung lässt sich kurz beschreiben als der Weg vom Mitgeher zum Vollstrecker (mit einem kurzen Ausflug ins Bremsertum).  Ich ging mit keinerlei Vorbildung im Bereich der Informatik und mit wenig Meinung ins das Projekt hinein und war so dementsprechend frustriert, als sich nach einigen Wochen nicht die erhoffte „digitale Magie“ eingestellt hat, obwohl ich doch das Tablet verwendet habe und sogar viele Apps im Fremdsprachenbereich. Im Nachhinein darf ich über mich selbst sagen: Idiot! Einschneidend war für mich die Erfahrung und Erkenntnis: It´s not about the app! Nachdem ich das begriffen hatte, konnte ich mich erst richtig für das Projekt und den digitalen Unterricht, die digitale Bildung begeistern. Dabei half mir, dass ich in meinem Bereich auch einfach gelassen wurde und ich keine große und langsame Fachschaft koordinieren musste, sondern einfach ausprobieren konnte. Inzwischen bin ich also ein großer Verfechter von digitaler Bildung, weil ich sie für unsere Schülerschaft (Technisches Gymnasium) genau passend halte.

And here we go…

Uff, tatsächlich getan, ich habe meine ersten Blog erstellt und kann es kaum erwarten, hier meine Ideen zu präsentieren oder zu diskutieren, was für eine abenteuerliche Reise 🙂