Immersives und diversives Lernen – Unterricht mit digitalen Medien

Einleitung

Die Chicago Bulls der 90er Jahre waren eines der besten, wenn nicht das beste Team in der Geschichte der NBA (National Basketball Association). Sie waren das natürlich aufgrund ihrer drei besten Spieler, Scottie Pippen, Dennis Rodman und vor allem Michael Jordan, dem GOAT. Aber sie waren dies eben nicht nur wegen diesen drei Spielern, sondern weil sie ein Konzept, ein Leitbild, eine Philosophie im Angriffsspiel hatten, die heute noch seinesgleichen sucht: Die „Triangle-Offense“, die darin bestand, auf dem Feld immer möglichst oft und möglichst viele Dreiecke zu bilden, aus denen heraus die Angriffe eingeleitet und abgeschlossen wurden. 

Warum aber steht das nun hier und was zum Teufel hat das jetzt mit Schule zu tun?

Weil das Dreieck in diesem Konzept eine bzw. die entscheidende Rolle spielt. Das Dreieck ist die geometrische Form, das Zentrum meines unterrichtlichen und pädagogischen Handelns und zugleich Struktur und Eckpfeiler meines Konzepts.

Kriterien von zeitgemäßem und digitalem Unterricht

Sicherlich lassen sich viele Kriterien für guten Unterricht und mobiles Lernen aufzählen und differenzieren. Ich habe mich auf die meiner Meinung nach prägnantesten und pragmatischsten beschränkt:

  1. Habe ein Konzept, das fundiert und durchdacht ist und dennoch Freiheiten in der Umsetzung bietet.
  2. Verwende digitale Medien dann, wenn sie einen didaktischen Nutzen haben und nicht nur als technische Spielerei.
  3. Biete ein geeignetes Setting für mobiles Lernen und suche dann nach Apps oder Tools – denke nicht „von der App aus“, sondern vom Unterricht her.
  4. Gebe das Medium in die Schülerhand, lasse sie gemeinsam arbeiten und leite sie zu kritisch-reflektiertem Denken an.
  5. Bleibe offen gegenüber Neuem, probiere aus und ignoriere dabei die Punkte 2 und 3 dieser Liste.
  6. Vergiss nie, dass du zuerst Pädagoge bist!

Gerade der letzte Punkt erscheint mir doch als der entscheidende, denn bei all den Möglichkeiten, die durch die Nutzung von digitalen Medien möglich entstehen, bin ich doch in erster Linie Pädagoge, Lernbegleiter, Lehrer und Lerner (Reihenfolge beliebig austauschbar).

Immersives und diversives Lernen im Dreieck

Ich versuche nun, das Konzept zu umreißen und darzulegen. Hierzu sei gesagt, dass das Konzept einem steten Wandel unterliegt und immer nur als Momentaufnahme zu sehen ist (die von meinem technischen Wissensstand, dem aktuellen Setting und den infrastrukturellen Voraussetzungen der jeweiligen Schule abhängt). 

Immersiv meint in diesem Zusammenhang das Eintauchen in die jeweilige Situation, das Aufgehen in einer Aufgabe und dem Ausblenden von Zeit und Raum, was ich aus der Aussage Harold Eugene Edgertons herausziehe: „The trick to education is to teach people in such a way they don´t realize they´re learning until it´s too late.“ Vergleichbar (und damit kombinierbar) ist des mit dem, was der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi mit Flow-Zustand beschreibt. 

Diversiv bedeutet der Ansatz meines Unterrichts. Inzwischen bin ich davon abgerückt, so viel wie möglich digital machen zu wollen, sondern biete meinen Schülern die Wahl und versuche, so viele Kanäle wie möglich mit den unterschiedlichsten Medien zu bedienen, was ich als diversiv bezeichne.

Neben dem dargestellten Dreieck, in dessen Zentrum das pädagogische Handeln steht, also das, was ich als meine absolute Kernkompetenz erachte, ist das die geometrische Form, die sich in meinem unterrichtlichen Handeln quasi in jeden Winkel zieht (so gibt es zum Beispiel Phasen mit digitaler Unterstützung, Projektarbeitsphasen und Prüfungsphasen) und anhand der ich mir erlaube, eine Struktur in meinen Unterricht zu bringen. Orientierung geben hier neben dem 4K-Modell vor allem das Deeper-Learning-Konzept und der Grundgedanke vom adaptiven Lernen.