Nicht im Ernst, oder?

Folgender Tweet des geschätzten (wenn auch leider nicht persönlich bekannten) Kollegen Mihajlovic hat meine aktuelle Arbeitswelt quasi in den Grundfesten erschüttert:

Ein Detail, genauer gesagt eine der Folien des Vortrages, daraus eventuell nochmal hervorgehoben:

Bildschirmfoto 2017-05-12 um 07.35.48

Um die Tragweite dieser Folie einzuordnen sei gesagt. Der Kollege, von dem diese Folie stammt, wurde im abgelaufenen Jahr (2016) mit dem deutschen Lehrerpreis für innovativen Unterricht ausgezeichnet. Ich gönne ihm das von ganzem Herzen und, soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann (und mir es herausnehmen darf, dies zu tun), nehme ich an, er macht einen hervorragenden Job. Gratulation und Respekt an dieser Stelle. Was mir dennoch sehr sauer aufstößt ist die Tatsache, dass er diesen Preis für innovativen Unterricht für die Verwendung von Smartphones und Tablets im Unterricht (Originaltitel „Smartphones und Tablets im Unterricht? Bitte einschalten!“, Quelle: http://www.lehrerpreis.de/?id=25) erhalten hat. Und spätestens jetzt: Wie bitte?

Sorry, aber das ist für mich so als bekomme ich den Imkerpreis und sage danach, Honig ist scheiße (sorry für die Wortwahl). Solch eine krasse Rolle rückwärts (Eigenwahrnehmung) habe ich selten erlebt und das tat ich dann auch in einer Diskussion mit @dejanfreiburg und @halfman1334 kund:

Sehr schön und passend fand ich auch die Reaktion des Kollegen Förtsch, der dazu schrieb:

Ganz richtig, es geht um Lebensrealität. Nahezu jeder Schüler von mir besitzt ein Smartphone (und viele wissen auch, damit intelligent umzugehen). Ich erlaube und fördere die Smartphone-Nutzung in meinem Unterricht, es gibt für unsere Schüler die Möglichkeit, sich über einen Voucher mit dem Schul-WLAN zu verbinden und sich die Informationen selbst zu beschaffen. Zudem nimmt meine Schule an einem Schulversuch teil, der den flächendeckenden Einsatz von Tablets im Unterricht untersucht. Es bewegt sich im Bereich #DigitaleBildung oder #zeitgemäßeBildung bei uns (mit uns meine ich die Schule, aber auch das Land Baden-Württemberg) grade relativ viel. Ich brenne für diese Art des „neuen“ Unterrichtens, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich aktivere und motiviertere Schüler habe, wenn ich digitale Medien in den Unterricht mit einbeziehe und die Verantwortung der Informationsbeschaffung in die Hände der Schüler lege. In „meiner“ Welt sind wir auf einem guten Weg, die Transformation von traditionellem Unterricht (der nicht unbedingt per se schlecht ist) hin zu modernen und zeitgemäßen Unterrichtsmethoden mit der Unterstützung von digitalen Geräten und technischen Hilfsmittel zu schaffen, die Schüler auf eine veränderte Arbeitswelt gut vorzubereiten. Natürlich hinterfrage ich meine Methoden und meine Herangehensweise kritisch und erneuere sie ständig, passe sie an und verwerfe vieles. Ich sage nicht blind: Digital ist besser. Aber eben zeitgemäßer 🙂

Wenn ich also höre, dass ein Kollege, der eben noch dazu mit dem Preis für innovativen (!!!) Unterricht ausgezeichnet wird, sich mit dieser Rolle rückwärts so kritisch dazu äußert und noch dazu einen gewissen Herrn Spitzer (ohne Meinung und Wertung) zitiert, dann ist das für mich vor allem eines:

Ein ordentlicher Schlag ins Gesicht.

Sorry, aber da wähnte ich uns Lehrer allgemein, die Schulen im Land und das schöne Land Baden-Württemberg wesentlich weiter. Das ist, wenn eventuell auch aus dem Kontext gegriffen, ein gewaltiger Rückschritt und macht betroffen bis traurig (noch mehr im Zusammenhang mit folgendem Bild:)

 

3 Kommentare

  1. Was ich aus der Folie herauslese, ist, dass ein blindes „Digital ist besser“ der beste Weg ins Verderben ist. Ich gebe zu, „Nutzung von Tablets und Smartphones“ ist ungenau formuliert, sodass hier jeder alles hineininterpretieren kann. Schließlich sind die Nutzungsmöglichkeiten reichhaltig.
    Da der Kollege selbst die digitalen Möglichkeiten nutzt, kann man aber schließen, dass er Digitale Schule nicht per se ablehnt.

    Die grundlegende Frage bleibt ja weiterhin: WIE nutze ich die modernen Möglichkeiten? Und da hat der Kollege wiederum recht, das hängt am Lehrer.

    Demzufolge kann die Aussage der Folie als ein Hinweis darauf gedeutet werden, dass die alleinige Versorgung der Schulen mit Tablets und Wlan kein Garant für qualitativ guten Unterricht ist, genauso wenig wie ein Unterricht ohne digitale Medien nicht zwingend eine Verschlechterung der Unterrichtsqualität darstellt.

    Und mal ganz abgesehen von aller Interpretation der Folie: Da nur die letzten beiden Folien des Vortrages hier vorliegen, kann der Sinnzusammenhang zum Vortrag nicht hergestellt werden. Somit ist eine Analyse dieser Quelle ohne den ganzen Vortrag mit einzubeziehen unseriös. Ich verweise hier auf das sinnentstellende Zitat des DLF von Frau Nahles vor ein paar Tagen.
    Wer digitale Medien angemessen nutzen und die Nutzung weitervermitteln will, sollte sich der Grenzen der jeweiligen digitalen Zugänge bewusst sein.

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    1. Vielen Dank für deine offenen und ehrlichen Worte, die ich mir im Bezug auf den Beitrag zu Herzen nehme.
      Ich kenne den Vortrag nicht im Detail, daher muss ich mir wohl den Vorwurf der Unseriösität gefallen lassen. Darum geht es mir aber auch nicht. Ich finde einfach die Diskrepanz zwischen dem Titel des Preises und dem Zweifel darüber enorm. Auch ich reflektiere über den Einsatz digitaler Medien im Unterricht (was im Beitrag auch genannt wurde), solch eine Aussage zu treffen finde ich dennoch unglücklich und sehr fragwürdig vor dem Hintergrund der Transformation, die wir in meinen Augen in den kommenden Jahren durchmachen müssen

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  2. Ich kenne den Vortrag auch nicht, somit ist alles folgende nur ein Gedankenspiel.

    Die von die genannte Diskrepanz erkenne ich aufgrund der wie gesagt sehr pauschalen Aussage „Tablets = verkümmertes Gehirn“ an. Allerdings finde ich es durchaus legitim, trotz Nutzung digitaler Medien auf Gefahren und Irrwege hinzuweisen. Wenn der Kollege den Preis nicht bekommen hätte, würden alle sagen, dass der ja keine Ahnung von digitaler Bildung hat. Aufgrund seiner Expertise bekommt so eine Aussage ja schon ein ganz anderes Gewicht.

    Die Frage bleibt ja: Wie hat er das gemeint?

    Womit ich wieder beim Thema Quellenrecherche wäre.

    PS: Zur Erklärung, ich bin Geschichtslehrer und werde bei Quellen schnell pingelig. Aber Aufregereien aufgrund schlampig recherchierter „Aussagen“ gibt es im Netz ja derzeit mehr als genug. Deshalb wollte ich mal darauf hinweisen, dass wir uns als Vermittler von angemessener Nutzung der digitalen Möglichkeiten gerade in diesem Bereich keine unnötige Blöße geben sollten.

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