Engagement auf Knopfdruck?

Eines vorneweg: Ich halte Leistung, Hingabe und Engagement im Lehrberuf für wahnsinnig wichtig und es gibt in meinen Augen wenig Schlimmeres als einen Lehrer, der „Dienst nach Vorschrift“ macht und nur „seinen Stiefel runter unterrichtet“. Deshalb engagiere ich mich, ich liefere Leistung ab und betrachte mich in einigen Bereichen als einer der treibenden und führenden Kräfte an der Schule. So weit so gut, nicht?

Mein großes Problem fängt jedoch genau hier an. Ich tue mir schwer damit, mein Engagement in die „richtigen“ schulischen Prozesse zu kanalisieren bzw. nehme ich es verstärkt wahr, dass mein Engagement und meine Leistungsbereitschaft nur in einem bestimmten, abgesteckten Rahmen erwünscht sind .“Super, der Kollege hat soundsovielte Überstunden, er ist immer da und ansprechbar“. Das ist bewundernswert. So bin ich nur nicht. Ich habe eine Familie, die ich über alles liebe und für dich ich da sein will (und auch muss, da meine Frau auch berufstätig ist). Daher bin ich nicht von 7h-19h in der Schule und arbeite dort, sondern unterrichte meine Stunden und gehe danach heim, weil ich da gebraucht werde. Für mich geht es dann abends oder in den Ferien verstärkt an den Schreibtisch und ich bekomme selten mehr als 5 Stunden Schlaf die Nacht. Das ist meiner Meinung nach auch ein wahnsinnig großes Plus des Lehrerdaseins, sich seine Zeit halbwegs frei einteilen zu können. In Zeiten einer (auch an meiner Schule) zunehmenden Digitalisierung ist es in meinen Augen auch nicht mehr nötig, ständig an der Schule zu sein und dort ansprechbar zu wirken.

So arbeite ich also nun daheim, entwerfe Stunden, Konzepte und Lernvideos, werfe meine kompletten Unterrichtssettings über den Haufen und überlege neu, kommuniziere und diskutiere in verschiedenen sozialen Netzen, schlafe wenig und bilde mich neben dem intensiven Austausch bei Tagungen, Kongressen und Weiterbildungen fort, versuche mich zu vernetzen. Alles das, um meinen Schülern einen zeitgemäßen und attraktiven Unterricht gewährleisten zu können, was sie mir aktuell mit viel Einsatzbereitschaft und einem tollen Klassen- und Lernklima zurückzahlen. Um die Kurve zu meinem Problem (Engagement) wieder zu bekommen: Das sieht halt in der Schule niemand und ich bekommen den „Hinweis“ einer zu verbessernden Verfügbarkeit (definiere nach Wunsch). Und so stehe ich da, ratlos und zunehmend verzweifelt. Ist also Engagement im schulischen Kontext gleichzusetzen mit Anwesenheit? Ist das wirklich alles? Sei da, unterrichte und setze dich danach an deinen Schreibtisch, damit du bloß da bist und engagiert wirkst? Nicht im Ernst, oder..?

 

 

14 Kommentare

  1. Kann ich gut nachvollziehen. Das ist noch dieses alte „unvernetzte“ Lehrerbild. Diese Einstellung wird an manchen Schulen überwiegen, an anderen wiederum wird man dein Engagement bemerken und schätzen. Dranbleiben, nicht entmutigen lassen – eventuell auch Schule wechseln. Nach Kollegen suchen, die mitziehen. Zur Not: Schulwechsel.

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    1. Danke für deine Worte…über Schulwechsel hab ich auch schon nachgedacht, andererseits hoffe ich da in vielen Bereichen noch auf Besserung (bin ja auch erst 4 Jahre dort)…Notbremse imho vielleicht noch zu früh.
      „unvernetzt“ ist gut, als Beschreibung passt „Einzelkämpfer“ noch besser…Schwierig

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      1. Wenn du ein paar Gleichgesinnte hast, kann man eine Weile gut überstehen. Aber man will am Ende auch Veränderung sehen. Versteh ich!
        Es muss jeder selbst die Lage einschätzen – ich habe irgendwann gesagt, so nicht mehr, jetzt wechsle ich. Aber aus anderen Gründen. Und ich habe den Schritt auch in dieser Hinsicht nicht bereut

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  2. Mit deinem Problem bist du definitiv nicht allein. Es ist Aufgabe eines Chefs, zu sehen, wer wie seine Leistung bringt. Wenn das nur an den von dir genannten Maßstäben bemessen wird, solltest du das in einem Mitarbeitergespräch thematisieren. Falls das nichts bringt, hat du hier schon ein paar Tipps bekommen 😉

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    1. Das tut natürlich gut zu hören. Wie gesagt, ich musste das einfach mal loswerden weil es schon zu lange drückt. Mitarbeitergespräch (lies: Schulleiterbeurteilung) ist in den nächsten Wochen vereinbart, daher grade sehr spannend.

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  3. Vieles von dem was du schreibst, kann ich voll und ganz nachvollziehen. Motiviert sein, neue Impulse setzen, die Schule voranbringen, einen Nebenjob ausüben und gleichzeitig Familie mit zwei Kindern. Das alles unter einen Hut zu bringen fällt schon manchmal schwer, lässt sich aber mit dem nötigen Engagement schaffen. Das was von der Wirtschaft immer wieder gefordert wird – Flexibilität! – wirft man dir dann vor. Unverständlich! Ob nicht auch deshalb eine Pflichtanwesenheit für alle LehrerInnen von ca. 7.30 Uhr bis 14 Uhr Sinn ergäbe??? Ist mir in der jüngsten Zeit schon öfter mal durch den Kopf gegangen …

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    1. Danke für deine Worte, ich stimme dir bei fast allem zu, Flexibilität wird gefordert und dann kritisiert, wenn es nicht die „richtige “ ist. Einer Pflichtanwesenheit stehe ich dennoch eher skeptisch gegenüber, würde glaub eher so „Stechuhrlehrer“ ergeben und 08/15 Unterricht eher fördern. Eher eine Entlastung an anderer Stelle für besonderes Engagement

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  4. Kenne ich in Teilen auch so. Viel Engagement ob in der Schule oder zu Hause, kombiniert mit (zu) wenig Schlaf ist eine gefährliche Mischung. Selbst wenn man mitunter im Flow ist und es unheimlich Spaß macht, richte ich ein Wort der Warnung an dich. Es kommt der Punkt, dann knallt es, und wenn du Pech hast, sehr heftig. Ist mir passiert. Deshalb spreche ich aus Erfahrung. Man muss seine Grenzen kennen (lernen) und darauf achten, sich nicht selbst völlig zu überfordern. Man merkt es lange nicht. Du hast Familie und sie ist dir wichtig. Sie hat es nicht verdient, wenn du mit einem Schlag fertig bist mit der Welt. Danach ist ohnehin nichts mehr wie vorher.

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    1. Danke für deine (auch warnenden) Worte… Die Gefahr sehe ich auch, manchmal aber auch nicht. Allerdings ist es nicht genau das, was ich ausdrücken wollte, mir geht es eher darum, dass Engagement quasi nur in bestimmten Bereichen erwünscht ist

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  5. Das hilft Dir zwar nicht, aber immer mehr wächst in mir, nach dem Lesen solcher (Frust-)Texte von innovativen Lehrern, der Wunsch, dass sich irgendein Bundesland, irgendein Ministerium endlich mal traut, eine komplett neue öffentliche Schule aufzumachen und es eben solchen Treibern, wie Du auch einer bist, es zu ermöglichen „NEUE SCHULE“ völlig frei zu gestalten.

    Einzig das Ziel „staatliche Abschlüsse“ sollte Anfangs noch als Pflicht bestehen bleiben. Ich nenne sie einfach mal die 4K-Gesamtschule. Hab dafür noch keinen besseren Namen dafür.

    Aber ich stelle mir vor, wenn einer wie z.B. Dejan Schulleiter wäre oder sich die Bildungspunks Riege im Kollegium tummelt – DAS wäre mal eine echte Leuchtturmschule – in der Du Dich vermutlich wohl(er) fühlen würdest. …ein langer Weg.

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  6. Willkommen in der Wirklichkeit!

    Ich darf Dich aber beruhigen, auch als Eltern ist Engagement, dass über die ständige Anwesenheit bei schulischen Veranstaltungen & dem obligatorischen Kuchenbacken bei jeder Gelegenheit, geht völlig unangebracht!

    Man hat gefälligst nur das zu machen, was sich die SL vorstellt dann ist man ein guter Elternbeirat.

    Achso und: solltest Du welchseln wollen, so musst Du Dir die Schule genau aussuchen (sofern das überhaupt geht) denn unter Umständen wird es da genau das Gleiche nur eben in grün :/

    Ende.

    P.S. Jetzt weiß ich auch, wo die „NEUE SCHULE“ herkommt ;)…
    wenn Du damit Hilfe brauchst, sag Bescheid, ich hab da tatsächlich schon Erfahrung mit, die evtl helfen könnte.

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