Gedanken über Unterricht, Feedback und Teamarbeit

Grundgedanken

Nach wie vor (und es wird wahrscheinlich auch noch eine ganze Weile so bleiben) ist mein Hauptziel: guten, zeitgemäßen und schülernahen (lies: ansprechend und interessant für Schülerinnen und Schüler) Unterricht zu machen, was mir mal mehr und mal weniger gut gelingt. Aktuell treiben mich gerade in der jetzigen Prüfungsphase (in meinem Fall das Abitur) jedoch einige grundlegende Gedanken:

Weil ich zu ungeduldig bin, um zu warten bis ein wirklich nachhaltiges Umdenken und ein Wechsel der Unterrichts- und Prüfungsformate einsetzt (und eine zu kleine Leuchte um das selbst in die Wege zu leiten), versuche ich dieses Umdenken selbst und für mich zu bewerkstelligen. Dabei interessiert mich (neben meiner eigenen ideellen Vorstellung von Unterricht) zuallererst, was meine Schüler brauchen, damit sie gut lernen können (ich setze dabei stets voraus, dass sie lernen wollen). Also frage ich sie…

Rückmeldung zum Unterricht

Ich holte mir also Feedback zu meinem Unterricht und zu weiteren schulischen Themen („Fühlen sich die Schüler wohl an unserer Schule?“ Und weil ich Multimediabeauftragter bin und das Thema einfach wichtig finde: „Wie sehen die Schüler bei uns an der Schule den Einsatz digitaler Medien (konkret: Tablets)?“, weil wir die ja eingeführt bekommen haben: Beichte über die Arbeit in einer Tabletklasse). Dazu hatte ich mir vorher ein paar Fragen notiert und stellte diese den Schülern über ein ZUMpad anonym zur Verfügung….und lies sie einfach schreiben mit den Bedingungen, aussagekräftig und ehrlich zu sein, was sie dann auch waren. Im Anschluss besprachen wir die Ergebnisse…

Was sich glücklicherweise zeigte (und was für mich erstmal ein total tolles Signal war): Unsere Schüler fühlen sich an unserer Schule (und in meinem Unterricht) wohl bis sehr wohl und von uns Lehrern akzeptiert und respektiert. Das finde ich deshalb wichtig, weil  es für mich die Basis allen unterrichtlichen Handelns ist – ohne Beziehung keine Zusammenarbeit quasi. Die Beobachtungen, die ich aus der Befragung ziehe, sind (neben den ganzen klassischen Rückmeldungen zu meiner Unterrichtsqualität, wie trete ich als Lehrkraft auf etc.) vor allem:

  • meine Schüler fühlen sich von meinem Arbeitsansatz (projektiertes digitales Arbeiten im Fremdsprachenunterricht) stellenweise überfordert und wünschen sich ein ausgeglicheneres Mischverhältnis mit Übungsphasen (und sogar Hausaufgaben)
  • gleichzeitig wurde vermehrt der Wunsch geäußert, es möge an der Schule eine breitere und einheitlichere digitale Arbeitsweise angewandt werden

Widersprüchlich? Dachte ich zuerst auch, bis ich daraus für mich den einen Schluss zog…

Teamarbeit?

Eine wahrhaftige und nachhaltige Veränderung des Unterrichtsettings oder der Haltung und Einstellung gegenüber zeitgemäßem Unterricht und aktuellem Lernen geht nur im Team, der einzelne Lehrer kann zwar gute bis bahnbrechende Ideen haben, er geht unter wenn er alleine diese Ideen mit Leben füllt. Ein Ansatz, den ich vorhabe, umzusetzen 🙂

Durch die Digitalisierung ein anderer (besserer?) Lehrer

Achtung, flacher Einstieg: „Die Digitalisierung durchdringt immer mehr Bereiche unserer Gesellschaft und macht auch vor den Toren der Schule nicht halt.“

Okay, das war ein wirklich flacher Beginn und jedem, der sich mit dem Thema „Digitalisierung in der Bildungslandschaft“ befasst, ist dieser Satz schon mindestens hunderte Male untergekommen. Es soll hier aber auch nicht um DIE Digitalisierung der Bildung oder DEN (Achtung, nächster Bingo-Begriff) Mehrwert digitaler Medien im Unterricht gehen. Worum dann?

Ich möchte gerne ganz konkret beschreiben, wie sich mein eigener Unterricht durch die persönliche Beschäftigung mit Schlagwörten wie „Digitaler Bildung“ und „Zeitgemäßer Bildung“ und das daraus entsprungene Interesse an Veränderungsmöglichkeiten entwickelt hat.

Schule und Unterricht davor

Meinen Unterricht wollte ich schon immer möglichst abwechslungsreich gestalten, fand mich jedoch auch oft in den Situationen vor, in denen die Schüler einfach eine Aufgabe aus dem Buch bearbeiten sollten und diese dann im Plenum besprochen wurde. Irgendwie fühlte ich mich damals schon unwohl und nicht gut damit und wurde jüngst wieder durch einen Tweet daran erinnert:

Alles in allem kann man sagen, dass ich zwar schon in den Vorbereitungsphasen meines Unterrichts digital arbeitete, das Digitalste an meinem Unterricht allerdings das Abspielen der Hörbeispiele über den PC war. Der Rest lässt sich mit der Paraphrasierung „Engagiert gemachter Einheitsbrei“ umschreiben.

Schule und Unterricht aktuell

In meinem aktuellen Workflow ist der Wunsch nach Abwechslung und Authenthizität nach wie vor stark vorhanden. Während Abwechslung in einem digital geprägten Lernsetting für mich zunächst noch hieß, möglich viele Apps auszuprobieren oder durch die Schüler ausprobieren zu lassen (vergleiche hierzu vielleicht: 2 Jahre Tabletklassen – eine Beichte), bin ich inzwischen der Auffassung, eine Struktur zu geben durch eine Art Basis im unterrichtlichen Geschehen, die mir dennoch Freiheiten hinsichtlich projektbezogenem Arbeiten gibt und dennoch so etwas wie Routine und Verlässlichkeit bei den Schülern bewirkt, aber seht selbst:

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Workflow Spanisch

 

Classcraft neu entdeckt

Im Prinzip ist es wohl das selbe Bild, der selbe Ablauf, die selbe Geschichte wie immer: Es beginnt bei mir meistens mit Interesse, gefolgt von Begeisterung für etwas Neues, entwickelt sich dann zur Skepsis bis hin zur Aufgabe und irgendwann pendele ich mich bei einer sinnvollen Nutzung ein. So auch bei Classcraft.

Was ist Classcraft?

Ohne genau ins Detail gehen zu wollen (weil es solche Beschreibungen beispielsweise hier schon gibt): Classcraft ist ein Online-Rollenspiel, das von dem Zusammenspiel von Handlungen im Klassenzimmer und den Auswirkungen auf das Spiel (und deren Rückwirkungen auf die reale Welt) lebt. Prinzipiell kann man sagen: „Tue Gutes in der Schule dann hast du Gutes im Spiel dann hast du wieder Gutes in der Schule“. Aber seht selbst:

Warum Classcraft?

Ich entschied mich vor ca. 2 Jahren, Classcraft einmal auszuprobieren und mit zwei Klassen zu spielen, weil ich zu der Zeit eh ziemlich viel ausprobierte und mir der Slogan „Machen Sie Ihren Unterricht unvergesslich“ viel versprach. Also „installierte“ ich das Spiel in meinem Unterricht….und war fortan ziemlich viel mit Knöpfchen drücken beschäftigt, hier kommt der Grund:

Probleme/Skepsis mit Classcraft

Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich (wie schon so oft 🙄) Fehler gemacht habe, beim ersten Versuch mit Classcraft zwei gravierende:

  1. Die Stantardeinstellungen einfach übernommen: war zu Beginn schon okay, hat aber null zu mir und meiner Art zu unterrichten gepasst. Bestes Beispiel war der „Hat eine Frage richtig beanwortet“-Button, der mich irgendwann in den Wahnsinn getrieben hat.
  2. Das Spiel im Alleingang installiert: Regeln, Kräfte und sonstige Einstellungen habe ich alleine eingeführt bzw. übernommen, die Schüler mussten da einfach mitziehen. Komisch, dass ich das nicht früher doof fand.

Hinterfragen und Ablegen

Es war mir also irgendwann zu blöd, 20 Mal in der Stunde den „Hat eine Frage richtig beanwortet“-Button zu drücken, okay. Außerdem stellte sich mir ernsthaft die Frage (und jetzt dürfen sich diejenigen, die bei dem Thema die „Bevahiourismus-Keule“ schwingen, ganz doll freuen), ob das Spiel nicht einfach nur mein Notensystem ersetzt und das Belohnungs-/Bestrafung- System der gewohnten Schule fördert. Kurzum, ich zweifelte so stark daran, dass ich es irgendwann einfach sein lies.

Classcraft wiederentdeckt

Ich weiß nicht mehr ganz genau, was mich dazu gebracht hat, Classcraft nochmals neu auszuprobieren. Es hat sicherlich viel mit einer Twitter-Diskussion über die Zeithaftigkeit des Spiels zu tun, in der ich involviert sein durfte (die Betroffenen (namentlich: Philippe Wampfler, Maik Riecken, Philipp Staubitz, Frank Lohrke, Marcus von Amsberg undTeacher Rogue One)  wissen da sicherlich mehr, vielen Dank an dieser Stelle für den Austausch). Ein weiterer Punkt war die Möglichkeit, meinen Schülern über die Quest-Funktion Aufgaben bereit zu stellen und einzusammeln (jaaa, da schaut ihr, ihr Moodle-Anhänger). Auf jeden Fall entschied ich mich dazu, Classcraft nochmals auszuprobieren und dabei auf folgendes zu achten:

  1. Classcraft gemeinsam mit der jeweiligen Klassen einführen und nicht einfach überstülpen
  2. Regeln, Kräfte und Einstellungen meinem Unterrichtsstil und meinen Vorstellungen nach zeitgemäßem Unterrichten anpassen
  3. Konsequent spielen, aber nicht auf Krampf immer spielen müssen (und das auch kommunizieren)

Classcraft im Lichte digitalisierender und zeitgemäßer Bildung?

Die große Frage, die sich mir bei der Wiedereinführung stellte (und auch aktuell immer noch stellt) ist die nach der Passung von dem Spiel in meinerm Unterricht und meinem Anspruch nach individuellen und zeitgemäßem Unterrichten. Kann ich solch ein (in der Basis Belohnungs-) System guten Gewissens in meinem Unterricht haben? Bisher ganz klar JA.<<<<<<
Natürlich ist es so, dass die Schüler nach Punkten geiern wie nach guten Noten, natürlich „bestrafe“ ich Fehlverhalten. Ist es mir das bei den (bisherigen) positiven Veränderungen wie wahnsinnig gesteigertert Motivation, Verbesserung und Auflockerung des Klassenklimas und (durch Probleme beim Aufgaben-Einsammeln) vertiefter Auseinandersetzung mit technischen Fragen wert? Auch hier JA.<<<<<<
Kann ich also sagen, dass man Classcraft als Tool für zeitgemäßen Unterricht einsetzen und empfehlen kann? In meinen Augen: JA. <<<<<<
Man musss und darf sich aber die Mühe machen, die Einstellungen von Grund auf zu überarbeiten und einzustellen. Habe ich das schon erreicht? TO BE CONTINUED 🙂<

Wie immer freue ich mich über Rückmeldungen, Kommentare, Kritik…

2 Jahre Tabletklassen – eine Beichte

Seit etwas mehr als zwei Jahren (Beginn Schuljahr 2015/ 2016) darf/muss ich nun Tabletklassen in einer 1:1 Umgebung unterrichten und habe während dieser Zeit eine persönliche Dokumentation darüber geschrieben, wie sich mein Denken, mein Unterricht und die Begleitsituationen in dieser Zeit geändert haben. Es ist eine Beichte, ob es ein Armutszeugnis ist, entscheidet der Leser, viel Spaß.

1. Grundsatzentscheidung: Welches Tablet nehmen wir?

Zur Wahl standen: Samsung, Microsoft und Apple, zu dem die Mehrheit der Kollegen tendierte. Ich wollte aus Kostengründen lieber ein Samsung Tablet, Microsoft erschien mir (auch wegen der integrierten Tastatur) zu „computermäßig“. Letztendlich wurde es das IPad. Obwohl ich zu Beginn sehr unglücklich mit der Mehrheitsentscheidung Apple IPad Air 2 war, erwies sie sich im Nachhinein als goldrichtig. Einfache Handhabung auch für Nicht-Tekkies, Liefertermine eingehalten und vor allem ist da ein angebissener Apfel drauf 🙂

2. Auftaktworkshop/ Kennenlernen des Tablets

Eine kleine Gruppe an Kollegen („der harte Kern“) durfte vor dem Start des neuen Schuljahres an der Auftaktveranstaltung des Projekts teilnehmen. Programmpunkte hier waren unter anderem Erfahrungsberichte von anderen Schulen und diverse Workshops zu fächerspezifischen Einsatzmöglichkeiten des Tablets. Bereits hier lernten wir starke Apps wie PDF Expert, Explain Everything oder Keynote kennen. Außerdem durften wir mit einigen Ideen nach Hause gehen.

3. Erste Unterrichtserlebnisse

Die ersten eigenen Unterrichtserlebnisse oder „digitalen Gehversuche“ verliefen doch sehr stockend, da ich doch sehr gutgläubig und blauäugig an die ganze Geschichte rangegangen bin. Heißt übersetzt: Ich habe das Tablet eingesetzt und auf ein „digitales Wunder“ gehofft. Mein Unterricht hat sich dadurch natürlich weder großartig verändert noch verbessert, die Schüler hatten lediglich zu meinen ganzen Arbeitsblättern a) die digitale Version davon und b) schnellere Lösungen dank Internetzugriff und Google-Übersetzer. So bin ich nach einigen Versuchen und Monaten fast wieder zum normalen und tabletlosen Unterricht zurückgekehrt. Zum Glück kamen da zwei Schlüssel-Erlebnisse (bzw. Fortbildungen) dazwischen

4. Schlüsselerlebnisse/Schlüsselfortbildungen

Die Schlüsselerlebnisse, die mich quasi in die Hände der digitalen Bildung (oder zeitgemäß oder wie auch immer man sie nennen will) trieben, waren in meinem Fall zwei Fortbildungen, deren Wert und Genialität ich jedoch auch erst später erkannt habe. Zum einen war das eine Fortbildung zum MIFD (Modell der individuellen Förderung mit digitalen Medien) von Jan Hambsch und Tobias Rodemerk und einer Fortbildung zu interaktiven Videos von Allan Carrington (mit leider sehr wenig Teilnehmern und konfusem Plan, aber tollen Inhalten und Ideen). Beide dieser Fortbildungen waren gegen Ende des Schuljahres, sodass zwar für das Schuljahr keine Änderungen mehr möglich waren, aber viele Anregungen und Ideen für die Tätigkeit in den Sommerferien gewonnen wurden.

5. Fazit erstes Jahr

Insgesamt kann man sagen, dass das erste Jahr sehr viel Ausprobieren, Erfahren, Falschmachen, Vorranpreschen und wieder Zurückschreiten war. Dennoch ging ich mit großem Engagement (dank der einschneidenden Fortbildungen) und einigen Ideen in die Sommerferien:

  1. Classroom Management über Classcraft
  2. Moodle Kurse mit Material und Aufgaben
  3. Kalender mit Klassen
  4. Phasen mit Buch und Phasen mit Projekten
  5. Tafelbilder mit Goodnotes/Noteshelf erstellen
  6. In jeder Stunde eine klassische Aufwärmphase (Spanisch)
  7. Ipad zu Beginn aus, dann jederzeit nutzbar
  8. Viel mehr Präsentationen, Videos, Audios
  9. Projektnote 20%, dafür keine Tests (Spanisch)
  10. Projekte: Aurasma, Touchcast, Explain Everything, Paper 53
  11. Eine Klausur, eine theoretische Präsentation (Sport)

 

6. Arbeit in den Ferien 2016: Gefühlt gute Vorbereitung

In den Sommerferien begann ich, beseelt durch die guten Vorsätze und erleuchtenden Fortbildungen kurz vor der Sommerpause, ein fast tägliches Ritual: Tagsüber Ablenkung von allem Digitalen, sei es durch Zeit mit der Familie, Terrassenumbau, Sport oder sonstige Unternehmungen. Abends saß ich dann fast jeden Tag an meinen Unterlagen, digitalisierte und strukturierte alle meine Dokumente, Arbeitsblätter, Unterrichtsverläufe und speicherte sie sowohl lokal auf PC und Tablet (PDF Expert) und gleichzeitig in einer Online-Cloud (Google Drive, was mir insbesondere im Hinblick auf die Datensouveränität und meine eigene Medienkompetenz sehr half). Außerdem richtete ich mir auf Moodle Kurse für meine Klassen ein und begann, diese mit Material zu füllen. Weiterhin arbeitete ich mich in diverse Apps (Good Notes, Aurasma, Paper 53) und Konzepte (Flipped Classroom, Immersive Learning) ein und begann, ein eigenes Konzept zu erstellen (welches ich zu dem Zeitpunkt als sehr gelungen und fast perfekt empfand, was sich jedoch bald ändern sollte). So ging ich frohen Herzens und gefühlt gut vorbereitet in das kommende Schuljahr.

7. September bis November 2016: Verheißungsvoller und trügerischer Start

Der Start ins neue Schuljahr übertraf zunächst meine Erwartungen und wog mich in trügerischer Sicherheit. Ich konnte meine Ziele gut umsetzen, die Schüler nahmen meine „neue Art“ von Unterricht (viel digital, Projekte anstatt Vokabeltests, Moodle-Datenablage) gut auf und ich war vielen Kollegen in meinen Augen im Bereich digitaler Bildung voraus. Auch ein durchgeführtes Feedback zeigte mir, dass ich zumindest auf einem guten Weg (in den Augen der SuS) war. Ich schaffte es zudem, das #MIFD erfolgreich vorzustellen und zu promoten, sodass es in unser pädagogisches Konzept aufgenommen wurde. Kurz: Ich wähnte mich in dieser Zeit schon am Ziel angekommen und bereit für ein neues (glorreiches) digitales Zeitalter meines Unterrichts. Eine Einschätzung, die ich in den kommenden Monaten schmerzlich revidieren würde müssen und aufgrund derer ich bald eine relativ anstrengende und dunkle Zeit mit entsetzlich vielen Fragen und Zweifeln durchleben musste.

8. Dezember 2016 bis Januar 2017: Schmerzliche und dunkle Zeit

Nach dem verheißungsvollen Start folgte die (im Nachhinein) abzusehende Bruchlandung, die von mehreren Faktoren begünstigt wurde:

  • Verlust der Struktur: Zu Beginn des Jahres gelang es mir noch halbwegs gut, Phasen mit und ohne Tablet zu trennen und zu unterscheiden. Mit zunehmender Dauer verlor ich diese Trennung immer mehr, meine SuS waren fast ausschließlich mit ihren Geräten beschäftigt und ich fühlte mich damit auch noch im Recht. Ein geregelter Unterricht, bei dem sie was lernen konnten, war das nicht mehr, viel zu stark verlor ich mich im Digitalen und trieb als Lehrperson nur noch so dahin.
  • Kein Pädagoge mehr: Aufgrund des Verlustes der Struktur war ich auch nicht mehr in der Lage, tatsächlich als Pädagoge aufzutreten, sondern lediglich als „technischer Türöffner“ für die Kids tätig. Zum einen, weil ich zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht die Kraft und den Mut hatte, mir im Bezug darauf einen Fehler einzugestehen, zum anderen weil es auch mir gefiel, viel mit dem Gerät in der Hand zu arbeiten und meine alten Arbeitsblätter mehr als uncool fand.
  • Andersdenkendes Kollegium: Es stellte sich in dieser Zeit auch heraus, dass nicht alle meine Kollegen meine neu gewonnene Begeisterung für #DigitaleBildung teilten und ich auf diesem Feld zunehmen alleine dastand. Anfangs fühlte ich mich hier noch gut, weil ich ja dachte, ihnen weit voraus zu sein und sie nicht für meine Entfaltung brauchen würde. Auch fühlte es sich gut an, trotz meinen jungen Jahren und der geringen Berufserfahrung etwas zu haben, in dem ich den anderen voraus und enteilt war. Im Laufe der Zeit nagte es doch mehr und mehr an mir, ein Einzelkämpfer zu sein und keine bzw. wenige Mitstreiter (noch dazu in meinen Fächern) zu haben, die diese neue Form des Unterrichts genauso begeistert annahmen wie ich und mit denen ich mich regelmäßig und produktiv austauschen konnte. So wurde ich immer stärker ein verbitterter Nerd, der alle begann zu verdammen, die nicht mitzogen und die diese Chance nicht wahrnahmen.

Diese Punkte lassen sich als die Eckpfeiler meiner Krise darlegen, aus der ich jedoch glücklicherweise einen Ausweg finden sollte.

9. Januar bis Februar 2017: Auswege und Rettung

Wie bereits im Schuljahr zuvor hatte ich mich also verrannt in etwas und war ein gutes Stück verloren gegangen. Wie im Jahr zuvor waren es Schlüsselerlebnisse bzw. Schlüsselbegegnungen, die mich aus meinem Loch herausholten:

  • @Twitter: Ich fand bis dahin den Nachrichtendienst Twitter immer irgendwie doof und unnütz. Auf der Suche nach Antworten meldete ich mich dennoch probeweise an und wurde sehr positiv überrascht. Nachdem ich einigen vielen Leuten gefolgt war, erkannte ich zweierlei und lernte es schätzen: Ich bekam durch die Meldungen der Menschen unendlich viele Tipps, Einsichten und Erkenntnisse im Bereich #DigitaleBildung und #mobileslernen und konnte so mein Verständnis davon schärfen und kanalisieren. Außerdem erhielt ich durch den regen Austausch mit den Menschen dort positive Rückmeldungen, Bestärkung und Verständnis, was sich letztendlich in einem gewissen Zugehörigkeitsgefühl ausdrückte (insbesondere zum #edchatde)
  • @LEARNTEC: Ende Januar durfte ich nach Karlsruhe zur dortigen Learntec-Messe, DER Messe für digitale Bildung in Deutschland. Auf dem Weg dahin lernte ich per Zufall Sebastian Schmidt (@flippedmathe) persönlich kennen. Eine Begegnung, bei der er mir zeigte und darlegen konnte, wie man mit handwerklich gut gemachten Inhalten #DigitaleBildung leben konnte ohne gleich das ganz große Feuerwerk abzubrennen. Eine wahrlich beruhigende Erleuchtung, die mich mein Handeln unter einem ganz anderen Licht sehen lies.
  • @IC Gauting: Auf dem Kongress „Inspire.Create“ im bayrischen Gauting Anfang Februar durfte ich viele Gleichgesinnte kennenlernen und nochmals Vorträge und Workshops von den Spitzenleuten besuchen. Aus diesem Kongress nahm ich zweierlei Dinge mit, die mein unterrichtliches Werken stark beeinflussen würden:
    • 1) Die Spitze im Bereich #DigitaleBildung kocht auch nur mit Wasser und ich persönlich bin dabei, zu beginnen, mich an die Spitze heran zu tasten (mir fehlt jedoch die Konstanz).
    • 2) Um wirklich guten digitalen Unterricht mit einem besonderen Wert machen zu können, braucht es eine komplette Veränderung im Unterrichtssetting (nicht nur Hinzunahme).

10. Februar bis Mai 2017:

Durch dieses Schlüsselerlebnis motiviert, begann ich (mal wieder) mich und meinen Unterricht komplett zu reflektieren und zu hinterfragen. Große spontane Veränderungen habe ich dadurch nicht erreicht, aber eine Veränderung in meinem Denken von Unterricht und Zusammenarbeit. Gerade im letzten Punkt sah (und sehe ich auch noch weiterhin) wahnsinnig viel Entwicklungspotential bei mir und auch an meiner Schule. Immer mehr wurde mir in dieser Zeit auch wieder klar, dass, egal wie raffiniert ich meine Stunden gestalte, egal wie toll danach die Ergebnisse und das Verständnis der Schüler von der Welt im digitalen Wandel ist (und da darf ich wirklich sagen, dass wir hier inzwischen sehr fitte Schüler haben), ich als Einzelkämpfer wenig bis gar nichts erreichen kann, wenn ich kein kompetentes und vor allem williges Team habe.

 

DAS Erlebnis – Die #tabletdays 2017

Das absolute Highlight meines Schuljahres waren die Erfahrungen, die ich auf den Tabletdays im schweizerischen Rorschach machen durfte. Referenten und Speaker aus ganz Europa waren angereist, um den Event zu bereichern. Als Teilnehmer eine unglaubliche Erfahrung, die wiederum dieses Mail nicht zu einer kompletten Umwälzung meiner Gedanken geführt hat, aber zu einer gewaltigen Erweiterung meiner Sichtweise beigetragen hat. Zum ersten Mal habe ich wirklich begriffen, was „Pädagogik vor Technik“ wirklich heißt, dass es nicht nur darauf ankommt, digitale Lernstrategien zu entwickeln und umzusetzen (wenngleich diese nach wie vor einen erheblichen Bestandteil meiner täglichen Arbeit ausmachen), sondern dass es vielmehr (zumindest in meinen Augen) auf die Diversität der Methoden und Mittel ankommt, ein Kredo, das sich für mich inzwischen mehr als bewährt hat.

Fachkompetenzen Spanisch – Erweiterung des digitalen Lernens durch interaktive Videos

Generelle Vermittlungsziele

Allgemein sollen bei der Vermittlung der Fremdsprache Spanisch drei Schwerpunkte im Besonderen in den Vordergrund gestellt werden:

  1. Vermittlung von Sprachkompetenz: Das reine und freie Sprechen stellt einen Vermittlungsschwerpunkt dar, da es zum Einen die Kernkompetenz einer jeden Sprache ist und zum Anderen Spanisch von den SuS nur als mündliches Prüfungsfach gewählt werden kann. Die restlichen Kompetenzen werden dem Sprechen hintenangestellt.
  2. Vermittlung im Sinne des 4K-Modells: Die 4K´s (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken) sind wohl die Basiskompetenzen unserer Zeit (21st Century Skills ) und sollen sowie können im Spanischunterricht in besonderem Maße gefördert werden.
  3. Individuelle Förderung nach dem MIFD: Die Möglichkeiten der individuellen Förderung orientieren sich an dem “Modell der individuellen Förderung mit digitalen Medien (MIFD)” und können je nach Bereich unterschiedlich stark digital ausgeprägt sein.

Vermittlungsziele orientiert am SAMR-Modell

Bezogen auf den Lehrplan für berufliche Gymnasien soll im Fach Spanisch neben der Förderung der sprachlichen Kompetenzen (Lesen, Sprechen, Schreiben) und der Vermittlung von phonologischen, lexikalischen und grammatikalischen Kompetenzen auch ein erweitertes Wissen über landeskundliche Themen Spaniens und Lateinamerikas vermittelt werden. Das gesamte Lernen und Lehren geschieht unter dem Aspekt der Handlungsorientierten Themenbearbeitung (HOT).

Übertragen auf den Einbezug von Tablets nach dem SAMR-Konzept sollen diese Kompetenzen nach den einzelnen Einführungsebenen wie folgt gefördert werden.

  1. Ebene (Ersetzung/Substitution)

Auf dieser Ebene ersetz das digitale Medium sein analoges Pendant. Demzufolge kann das Schreiben von Texten digital über Pages, Word oder WPS Office erfolgen, Plakate können durch Paper 53 kreiert und verfeinert werden. Lexikalische und grammatikalische Kompetenzen sowie Landeskunde werden unterstützend durch Internetrecherche vertieft. Es besteht zudem die Möglichkeit, über Mindmap- oder CMap-Tools Wissen zu sammeln und zu strukturieren.

  1. Ebene (Erweiterung/Augmentation)

Zu dem reinen Texteschreiben wird die Möglichkeit der intermedialen Verlinkung beispielsweise über QR-Codes zu tiefergehenden Informationen vor allem im Bereich der Vermittlung landeskundlicher Themen hinzugenommen. Weiterhin können Bilder, Stadtpläne oder Landschaften über ThingLink mit zusätzlichen Informationen und Material versehen werden. Das Sammeln und Zusammenfügen des Materials kann durch die Schüler mit Book Creator übernommen werden.

  1. Ebene (Änderung/Modification)

Auf dieser Ebene beginnt die Transformation zum reinen digitalen Lernen. Es können mittels Aurasma Plakate zu grammatikalischen Themen durch kurze Erklärungssequenzen hinterlegt werden, Landesbilder werden durch Skitch, Fotos oder Explain Everything annotiert und so verdeutlicht.  Eine weitere Veränderung findet durch die Hinzunahme Tablet-gestützter Ausspracheübungen mit Duolingo statt. Überprüfungen der Aussprache können über Audiodateien mit entsprechendem Feedback (mittels Opinion) versehen werden, das Sprechen generell wird durch die Verwendung von Audio-Mitschnitten über Garage Band oder Videosequenzen mit der Kamera in eine geschützte Umgebung verlagert.

  1. Ebene (Neubelegung/Redefinition)

Auf der vierten Ebene soll die vollständige Integration des Tablets in den Unterricht vollzogen werden und gleichzeitig das digitale Lernen durch die Hinzunahme interaktiver Videos erweitert werden. Neben Erklärvideos seitens des Lehrers beispielsweise mit ExplainEverything besteht hier die Möglichkeit der individuellen Abfrage des Wissens über  EDPuzzle oder H5P. Durch die Verwendung von TouchCast und die damit verbundene Simulation alltagsnaher Situationenkann der Schüler in die Rolle der Lehrkraft versetzt werden. Somit findet unter Umständen eine Veränderung der Rollenverteilung statt, die auch angestrebt wird. Eine große Rolle soll auch die durch die Verwendung digitaler Werkzeuge mögliche Kollaboration und Kooperation spielen, die durch beispielsweise ZUMpad ermöglicht werden kann.

 

 

 

 

Icebreaker für Klassenlehrer

Kommendes Schuljahr darf ich wieder eine Klasse als Klassenlehrer übernehmen – eine Aufgabe, auf die ich mich sehr freue. Als eines der wichtigsten Dinge eines Klassenlehrers erachte die das schnelle Kennenlernen der mir anvertrauten Schüler und eben diesen einen Raum und eine Atmosphäre des Wohlfühlens und der Wertschätzung zu vermitteln, ihn gleich zu pädagogisch zu wirken. Ich fragte daher auf Twitter nach Eisbrechern und kleinen, einfachen, Kennenlernspielen. Die Meldungen und Ergebnisse habe ich gesammelt und versucht zu strukturieren, hier das Ergebnis:

  1. Kennenlernen
  • Soziometrische Übungen: Alphabethisch aufstellen: Vor- und Nachnamen Der Größe nach aufstellen Dem Alter nach, gemäß Wohnort – Schulort
  • Im Kreis aufstellen: wer hat keine, ein, zwei drei und mehr Geschwister, wer war auf einem beruflichen Gymnasium, wer hat einen Hund, Katze, ein eigenes Auto, war schon mal in Italien, wer kann Skifahren, wer hat eigene Kinder, wer fährt Motorrad, spielt ein Instrument, …was noch? Vorschläge!
  • Variante: Ich – Ich nicht: Raum teilen und „Ich“ in die eine Hälfte legen, „Ich nicht“ in die andere Hälfte Ich esse vegetarisch Ich habe ein Auto, Ich jogge/treibe Sport Ich liebe laute Musik (Rock/Pop/Klassik) Ich …..Ideen/Vorschläge ca. 10-15 Min.
  • Wahrsagen: Schüler äußern sich in Vermutungen über Lehrer – ein Moderator muss leiten, ca. 10 Min.
  • Stern mit Infos über Lehrer: Lehrer schreibt an die Eckpunkt des Sterns Informationen über sich auf (z.B. 3 = 3 Kinder, Heidelberg = Heimatstadt etc.). Schüler müssen diese nun erraten.

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  1. Schneballschlacht:

Alle schreiben 3 Dinge über sich auf einen Zettel. Die Zettel werden in die Mitte geworfen und so verteilt. Jeder liest die drei Eigenschaften des anderen vor, die Klasse muss raten wer es ist.

  1. Fun-/ Fake- Facts

Jeder Schüler erzählt 3 Fakten über sich, eine davon ist unwahr. Lehrer muss erraten, welche unwahr ist (mit Einsatz). Variante: Jeder schreibt 2-3 Funfacts über sich auf. Lehrer liest vor, 3-4 stehen auf, Klasse muss raten wer der Urheber ist.

  1. Gruppeninterview: ich interviewe den, der gegenüber von mir sitzt (in die Augen schauen) Jeder allein überlegt sich zuerst Fragen, die er/sie dem anderen stellen will: was könnte für die anderen interessant und wichtig sein (außer: Schule, Fächer…). Zu zweit zusammen gehen und sich austauschen: das fragen, von dem man glaubt, es sei für die  anderen wichtig oder interessant, aufschreiben,  was nachher bei der Vorstellungsrunde gesagt werden soll. Zeit: ca. 5 Min./pro Person  Wechsel Vorstellen im Plenum (max. 1 Min/Person) ca. 25 Min.  Danach Reflexion im Tandem: Austauschen: Wie habe ich das erlebt, was habe ich ausgesucht und was wollte ich nicht sagen,… ca. 3 Min.  Meta-Ebne: Wie war das jetzt für Sie? Sind Sie so vorgestellt worden, dass es ok ist oder wollen Sie etwas ergänzen? ca. 3 Min.  Sinn der Übungen:  Wahrnehmungsübung, Gruppe erleben, in der Schule anwendbar. Gesamtzeit: 60 Min.
  2. Vorstellen einer anderen Methode: Name: Charakterisierung nach Buchstaben:
D (Dogs, Daimler,…
A  
   
   
   
 

 

Abschließend noch ein Dankeschön an alle, die mich bei dem Finden unterstützt und mit tollen Ideen bereichert haben, ihr rockt!

Workshop Erlebnis auf den #tabletdays

Ja, die Tabletdays in Rorschach waren geil, inspirierend und sehr motivierend für die kommenden Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre. Ja, es gab sehr gute und tolle Keynotes. Ja, der fachliche und persönliche Austausch war atemberaubend. Ja, und das alles steht schon sehr gut zusammengefasst von @woe_Real auf BayernEDU: http://bit.ly/2sjJa4t

Dennoch möchte ich in wenigen Worten einen Workshop beschreiben, der mich, auch wenn (oder gerade weil) er nicht zwingend auf die Verwendung von digitalen Medien angewiesen ist. Der Workshop von Marcel Kaufmann zum BreakoutEDU. Ich versuche, diesen Workshop zu skizzieren. Man möge mich korrigieren, wenn ich Zusammenhänge nicht richtig darstelle, ich beschreibe meine Herleitung.

Ausgangspunkt ist der sogenannte Escape- oder Breakout-Room, bei dem es darum geht, mithilfe des Lesens von Rätseln so schnell wie möglich aus einem verschlossenen Raum heraus zu gelangen. Dieses Prinzip wird nun dahingehend umgedreht, dass man die Rätsel lösen muss, um einen Koffer mit einer Belohnung (in unserem Fall waren es Süßis) in einer bestimmten Zeit zu öffnen. So waren an dem Koffer verschiedenartige Schlösser angebracht, an denen man eine Zahlen- oder Buchstabenkombination erraten musste oder eben durch die Lösung eines Rätsel erhielt. Man konnte insgesamt auch zwei „Hints“, also Ratschläge, bekommen, die zunächst aber für alle vollkommen außer Frage standen. Die Rätsel bestanden stellenweise aus Text, aus dem ein gewissen Lösungswort rauszulesen war, aus ägyptischen Hieroglyphen oder aus QR-Codes (oder waren es Links? Weiß ich nicht mehr). Das Knifflige daran war, dass man bei den Rätseln sehr um die Ecke denken musste (was sich für uns Workshopteilnehmer als relativ schwierig herausstellte) und man, selbst wenn man des Rätsels Lösung kannte, nie genau wusste, welches Schloss mit welcher Lösung zu knacken war. Aber es hat Spaß gemacht.

Ich stelle mir BreakoutEDU sehr gut bei Klassenfindungsprozessen vor, vor allem zum Kennenlernen der einzelnen Charaktere innerhalb einer Klasse. So zeigte sich auch bei uns schnell, wer z.B. die Führung übernahm oder wer lieber zuarbeitete. Alles in allem eine sehr spannende Erfahrung.